Die Wahl der richtigen Kinderrettungsweste

Welche Rettungsweste ist für mein Kind die richtige? Worauf muss ich bei Kinderrettungswesten achten? Sind Kinderfeststoffwesten nicht ausreichend? Immerhin sind diese quasi wartungsfrei, können fast nicht kaputt gespielt werden und sind zudem günstiger in der Anschaffung.

Bei der Auswahl der richtigen Rettungsweste für Ihr Kind sollten Sie zunächst einige Grundsätze zum Verhalten von Kindern im Wasser sowie deren Anatomie wissen, auf die wir hinweisen wollen:

Kinderrettungswesten

 

Verhalten im Wasser

Die erste Herausforderung liegt darin begründet, dass sich Kinder niemals gleichartig im Wasser verhalten. Wenn Kinder beispielsweise Wasser nicht gewöhnt sind, können sie im Wasser verkrampfen und theoretisch sogar mit Rettungsweste auf dem Bauch liegen bleiben. Leider ist das Verhalten allerdings nicht ausschließlich von der Gewohnheit zum Wasser abhängig. Je kleiner das Kind, desto mehr kommt eine Art Krabbel-Trieb zum Tragen, weil die Kinder sehen wollen, wo sie sind. Daher drehen sie sich auf den Bauch. Faktisch arbeiten die Kinder so gegen den Auftrieb der Rettungsweste an, auch wenn sie dies natürlich nicht bewusst tun. Wären die Kinder bewusstlos, drehten sie sich auf den Rücken. Dieses Szenario kann jedoch nur im Labor rekonstruiert werden, und zwar mit Dummies [1]. Wasserversuche mit Kindern sind fast nicht rekonstruierbar.

 

Anatomie von Kleinkindern

Bei Kleinkindern kommt eine schwimmphysikalisch ungünstige Anatomie hinzu. Kleinkinder haben nämlich einerseits einen überproportional großen Kopf, wodurch sich der Körperschwerpunkt, auch im Sinne des Auftriebs, nach oben verschiebt. Dies ist für Rettungswesten von Nachteil, da die Drehleistung dadurch negativ beeinträchtigt wird. Schließlich soll ja der höchste Punkt, nämlich der Kopf mit den Atemorganen, oberhalb der Wasseroberfläche verbleiben.

Andererseits haben Kleinkinder überdurchschnittlich viel Körperfett und „leichte Knochen“ [2], wodurch sie teilweise sogar Auftrieb in den Armen und Beinen besitzen. Auch dies ist für die Drehleistung von Rettungswesten von Nachteil, da die Westen einen umso größeren Hebel erzeugen müssen, um das Kind in die Rückenlage zu drehen.

Zu guter Letzt tragen Kleinkinder meist auch noch Windeln, welche ebenfalls Auftrieb an der falschen Stelle erzeugen und dem Drehen der Rettungsweste entgegenwirken.

 

Aufblasbar contra Feststoff

All dem lässt sich letztlich nur vorbeugen, indem der Auftrieb besser, nämlich um den Hals, verteilt wird. Dies ist jedoch nur mit aufblasbaren Rettungswesten möglich. Und diese sind erst für Kinder ab ca. 2 Jahren z. B. in Form unserer Mini erhältlich.

Bei Feststoffwesten für Kleinkinder gilt grundsätzlich: Die Rettungswesten funktionieren nur bedingt. Wichtig ist, dass die Kinder nicht untergehen und sichtbar an der Wasseroberfläche bleiben. Eine Bergung muss schnellstmöglich erfolgen. In jedem Fall sind Kleinkinder, die eine Feststoffweste tragen, sicherer als ohne Feststoffweste.

Zu guter Letzt bleibt das Argument der besseren Robustheit von Feststoffwesten. Viele Eltern sehen hier für ihre Kinder das entscheidende Argument. Dem können wir entgegenhalten, dass unsere aufblasbare Rettungsweste für Kleinkinder SECUMAR Mini einen besonders robusten Schwimmkörper mit DUO PROTECT-Technologie besitzt, der sogar selbstheilende Kräfte besitzt. Wartungsfrei wird die Mini dadurch leider nicht, da auch die Aufblasvorrichtung und die Ventile überprüft werden müssen, welche ebenfalls einer gebrauchsunabhängigen Alterung unterliegen.

Die aufblasbaren Rettungswesten sind den Feststoffwesten im Wasser somit massiv in der Leistung überlegen. Dem stehen auch höhere Anschaffungs- und Unterhaltskosten gegenüber. Zudem aktivieren sie stets bei einem Sturz ins Wasser und blasen auf. Zum Baden, am Strand oder im Schlauchboot sind sie daher möglicherweise nur die zweite Wahl. Auf See sollten Kinder jedoch stets eine aufblasbare Rettungsweste tragen. Alleine schon, weil alle aufblasbaren SECUMAR-Kinderrettungswesten einen integrierten Harness besitzen, mit dem Kinder an einem Anschlagpunkt, z. B. im Cockpit, angeleint werden können. Dem Überbordgehen kann man somit präventiv entgegenwirken.

 

Fazit

Egal, für welche Art von Kinderrettungsweste sich Eltern entscheiden – Kompromisse zwischen Leistungsfähigkeit und Praktikabilität müssen eingegangen werden, es sei denn, man entscheidet sich zum Kauf beider Varianten.

Natürlich versteht es sich von selbst, dass sich Eltern immer verantwortungsbewusst in der Nähe ihrer Kinder aufhalten.

 


 

[1] Auch wenn unsere Mitarbeiter ihre Kinder gerne für Wasserversuche zur Verfügung stellen, so testen wir natürlich nicht mit bewusstlosen Kindern! Hier kommt unser Dummy B.A.M.B.I. zum Einsatz.

[2] Kleinkinder haben im Vergleich zu Erwachsenen einen deutlich höheren Knorpelanteil in den Knochen. Dies liegt darin begründet, dass Knochen während der gesamten Wachstumsphase sogenannte Wachstumszonen (Epiphysenfugen) besitzen. Dadurch sind die Kinderknochen in jungen Jahren weniger verdichtet, was zu einer höheren Flexibilität führt. Die geringere Dichte hat allerdings auch zur Folge, dass Kinderknochen weniger Abtrieb im Wasser besitzen als die Knochen von Erwachsenen.