1970: Die unsichtbare Rettungsweste

Meilensteine der Firmengeschichte

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Die Weste in trockenem Zustand: flach und unauffällig.
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Die Weste nach ausgelöster Automatik: ein pralles Stück Sicherheit um den Hals.

Als Jost Bernhardt Ende der 60-er Jahre seine neueste Westen-Erfindung, die BS 8 für die Binnenschifffahrt testet, um die Markteinführung vorzubereiten, da ahnt er nicht, welche Perspektiven sich mit dem „unscheinbaren Ding“ für sein Unternehmen auftun sollen. Erfolge, die in eben dieser Unauffälligkeit begründet sind. Denn auf dem großen Teich der Freizeit-Schipper will jedermann Komfort und Bequemlichkeit - ein auffälliges, klobiges, unpraktisches Rettungsgerät hat da keine Chance.

Aber Bernhardt denkt in dieser Zeit nicht an die Befindlichkeiten der noch relativ kleinen Hobby-Skipper-Gemeinde. Er ist vielmehr besorgt über die gefährliche Situation, in der sich jene befinden, die nur bedingt freiwillig aufs Wasser gehen, jene, die mit der harten Arbeit als Binnenschiffer ihr täglich Brot verdienen: Partikuliere und Bootsleute.

Die Berufsgenossenschaft ist alarmiert durch beängstigend hohe Unfallzahlen und daraus resultierenden Todesfällen bei den Binnenschiffern. Ein Grund für die traurige Situation ist, dass sie mit Rettungswesten nicht viel im Sinn haben. Die meisten Modelle sind zumindest unpraktisch und stören bei der Arbeit oft sehr. Und nach Feierabend beim Landgang trägt (See-) man(n) ohnehin keine Weste - die ist ja allzu offensichtlich, und wer will sich schon dem Spott irgendwelcher Landratten aussetzen? Aber das Unglück schläft nirgendwo. Folge: Die Berufsgenossenschaft hat Jahr für Jahr mehr Witwen zu versorgen.

Aus dieser Situation heraus schafft Jost Bernhardt die BS 8. Es ist eine aufblasbare Weste, ihr Kernstück ist die „SECUMATIC 8“, ein Aufblas-Automat, ein feinmechanisches Wunderwerk aus der Wedeler Feinwerktechnik-Schmiede von Georg Hase. Ihr Prinzip: Eine Hebel-Feder-System wird gespannt. Als Sicherung dient ein „wassersensitives Element“, genauer: eine Pille, die sich bei Kontakt mit Wasser blitzschnell zersetzt. Das System löst einen Bolzen, der den Verschluss einer Kohlendioxid-Patrone durchsticht, so dass das Gas einen Schwimmkörper aufblasen kann.

So lange diese Pille, nach einem Spezialrezept aus Zellulose hergestellt, trocken bleibt, sprich: so lange der Träger von Weste samt Automatik nicht über Bord geht, so lange bleibt der Schwimmkörper leer und flach - und kann klein gefaltet werden. In diesem Zustand hat sie eine oliv-farbene Oberseite. Wird die Weste jedoch gefüllt, klappt diese Seite um, und das weit leuchtende Orange kommt zu Vorschein.

Das Revolutionäre an der BS 8: Dank der Auslöseautomatik und der besonderen Auftriebsverteilung im Schwimmkörper wird auch jemand, der bewusstlos ins Wasser fällt, nicht ertrinken.

Der Schwimmkörper wird bei Wasserkontakt von aufgeblasen und dreht gemäß den Gesetzen der Schwimmphysik den Körper auf den Rücken, hält den Kopf über Wasser.

Diese Sicherheit verbunden mit der Handlichkeit und dem Komfort, ein fast nicht zu bemerkendes Rettungsgerät am Körper zu tragen, spricht sich herum. Die damals noch kleine Segler-Gemeinde ist begeistert, eine Alternative zu den oft klobigen Feststoff- und Naturproduktwesten angeboten zu bekommen - eine Begeisterung, die auch bei den nachfolgenden Rettungswesten-Generationen nicht nachgelassen hat.

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