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Die
Morsezeichen ließen das Schlimmste befürchten. „Alle Segel
verloren - Stop - 45 Grad Schlagseite - Stop - Gefahr des
Sinkens“. Als die britische Küstenfunkstelle Portishead
Radio am 21. September 1957 um 16.01 Uhr diese Botschaft
aufnimmt, ist den Empfängern bitter klar: Da kämpfen in
diesem Moment brave Sailors um ihr Leben. Die Absender,
das sind die 86 Männer an Bord des frachttragenden deutschen
Segelschulschiffes „Pamir“. Ihre Position: mitten in einem
Hurrikan auf dem Atlantik, 500 Seemeilen südwestlich der
Azoren. Ihre Lage: verzweifelt.
Dabei
sieht es am Anfang gar nicht so schlecht aus. Wie so oft
lädt die „Pamir“ in Buenos Aires Gerste. 7780 Tonnen verschwinden
im stählernen Bauch der 1905 auf der Hamburger Werft Blohm
und Voss gebauten Viermastbark. Doch der Transport von Futtergetreide
ist nicht die einzige Aufgabe des 93,3 Meter langen Seglers.
Von der 86 Mann starken Crew sind lediglich 35 voll ausgebildete
und routinierte Seeleute. Der Rest besteht aus Schiffsjungen
- denn die „Pamir“ fungiert auch als Segelschulschiff der
Handelsmarine.
Obwohl
Kapitän Johannes Diebitsch schon im argentinischen Hafen
wissen muss, dass auf See nicht die besten Wetterverhältnisse
herrschen, gibt er den Befehl zum Auslaufen. Der erfahrene
Diebitsch sieht kein Problem, Stürme hat er schon mit viel
kleineren Schiffen abgeritten, was konnte mit so einem Riesenpott
da schon passieren?
Ein
verhängnisvolle Fehleinschätzung, die das Lübecker Seeamt
später mit dem Begriff „menschliches Versagen“ beschreiben
wird. Es ist nicht das einzige. Denn die Gerste ist nicht
in Säcken verpackt, sondern als Schüttgut in die Frachträume
gepumpt worden. Die Folge: Bei Krängung des Schiffes konnte
sie verrutschen und den Schwerpunkt verlagern.
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Was für ein Schiff ! Die Pamir unter Vollzeug.
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Und
genau so tritt es ein. Im Sturm legt sich das Schiff nach
steuerbord. Die Überlebenden berichten später, dass die
„Pamir“ schon am Morgen ihres letzten Tages 30 Grad Schlagseite
hat. Die Männer stemmen sich gegen ihr Schicksal. Nachdem
der Sturm die ersten Segel zerfetzt hat, lässt Kapitän Diebitsch
die restlichen „schlachten“; sie werden einfach abgeschnitten.
Dazu ohnmächtige Versuche, die Ladung umzustauen. Doch die
Katastrophe ist in ihrem Lauf nicht mehr zu stoppen. Das
Schiff richtet sich nicht wieder auf.
Im
Gegenteil, in den Stunden danach legt es sich völlig auf
die Seite. Das ist die Zeit, in der irgendwann der SOS-Funkspruch
abgesetzt wird und die letzte, nur verstümmelte Meldung
„Vortopp gebrochen“. Die Männer geben die „Pamir“ auf. Einige
von ihnen krabbeln auf den Rumpf, versuchen sich dort irgendwie
zu halten. Andere schaffen es, drei Rettungsboote zu besetzen.
Dann beginnt das große Sterben.
Als
drei Tage später der US-Frachter „Saxon“ in dem Seegebiet
eintrifft, finden die Retter zunächst nur
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Holztrümmer
und viele leere Schwimmwesten. Die Menschen, die sie getragen
hatten, wurden zur Beute der Haie.
Aber
man findet auch Sailors mit angelegten Schwimmwesten, tot
treibend auf dem Wasser. Sie sind ertrunken. Der Grund:
Die Westen hatten nicht die Köpfe, sondern die Rücken der
Schiffbrüchigen über Wasser gehalten. Was retten sollte,
brachte den Tod. Und genau dieser Irrwitz ist der Anstoss
für den Unternehmer Jost Bernhardt aus Hamburg, die Konstruktion
der Westen genauer zu untersuchen - und neue, bessere zu
entwickeln. Rettungswesten, die ihren Namen verdienen.
Doch
es gibt auch ein Wunder, sogar zwei. In zwei Rettungsbooten
entdecken die Besatzungen der der „Pamir“ zu Hilfe geeilten
Schiffe Überlebende: Klaus Fredrichs, Karl-Otto Dummer,
Karl-Heinz Kraaz, Volker Anders und Hans-Georg Wirth hatten
sich mit fünf anderen Kameraden in ein Boot geflüchtet,
die jedoch starben, bis die Retter kamen. Und Leichtmatrose
Günther Hasselbach kam in einem anderen Beiboot mit dem
nackten Leben davon.
Die
Katastrophe der „Pamir“ markiert das endgültige Aus der
Windjammerepoche. Seitdem unterhält in Deutschland nur noch
die Bundesmarine ein Segelschulschiff, die „Gorch Fock“.
Und immer, wenn dieser letzte Großsegler seiner Art in Hamburg
anlegt, führt der erste Weg der Crew in die Katharinenkirche.
Dort legen die Männer einen Kranz an einer Tafel nieder,
in die Namen gemeißelt sind: die Namen der 80 Toten der
„Pamir“.
Literaturhinweise:
Karl-Heinz Kraaz „Die letzte Fahrt der Pamir - Erinnerungen“
Eigel Wiese „Pamir - Lebensgeschichte eines Segelschiffes“
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