|
Wachstum
durch Wassersport
|
|
Anfang
April 1950 betritt einer von jener Art Gästen die Geschäftsräume
der Firma Ing. Karl Bernhardt Apparatebau, die man lieber gehen
als kommen sieht. Es ist Steuerinspektor Carstensen vom Finanzamt
Hamburg-Neustadt, der zur Betriebsprüfung erscheint. Firmenchef
Karl Bernhardt kann aufatmen, als der brave Prüfer am 24. April
sein Testat über die ersten Nachkriegsjahre abgibt: es hat sich
in diesen Zeiten von Schwarzmarkt und Schieberei „kein ungeklärter
Vermögenszuwachs“ ergeben, alles in Ordnung, Buchführung korrekt.
Nur einen kleinen Rüffel am Rande notiert der Finanzbeamte: „Der
Verbrauch übersteigt gering den der allgemeinen Notlage entsprechenden
Lebensstandard.“ verständnisvoll fügt er jedoch hinzu: „Es ist
aber zu berücksichtigen, dass der Steuerpflichtige als Ausgebombter
nach der Währungsreform manche notwendige Anschaffung machen musste.“
Wer heute diesen Bericht liest, muss schmunzeln.
|
| Kaiser
Wilhelm II. an Bord seiner Jacht "Meteor". Der Hohenzoller
war ein begeisterter Segler - aber aus heutiger Sicht überhaupt
kein seemännisches Vorbild. Denn er trug lieber Paradeuniform
statt Rettungsweste. |
|
|
Aber
Steuerinspektor Carstensens Niederschriften sind mehr als nur
unterhaltsame Anekdoten. Hier sind die kleinen Anfänge dokumentiert,
die, sobald man sie mit den heutigen Zahlen vergleicht, den stetigen
Aufschwung der Firma SECUMAR widerspiegeln. Personal damals: zwei
Angestellte, ein Meister, ein Geselle, vier Arbeiterinnen - Belegschaft
heute: 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Umsatz 1946: genau
86.471,- Reichsmark - Umsatz heute: im unteren zweistelligen Millionenbereich.
Zu
dieser positiven Entwicklung beigetragen hat das Segeln als Freizeitvergnügen.
Bis in die 60-er Jahre wurde dieser Sport von vergleichsweise
wenigen Menschen betrieben. Und als dann ein regelrechter Boom
einsetzte, konnte Jost Bernhardt mit dem passenden Angebot aufwarten.
Basis war die Rettungsweste BS 8, die sich bei Wasserkontakt automatisch
aufbläst. Dieses ursprünglich für die Binnenschifffahrt konstruierte
Gerät sollte den Bootsleuten Sicherheit bringen, ohne sie beim
Arbeiten zu behindern, wie es oft klobige Feststoffwesten tun.
Und da der Freizeit-Schiffer auch nicht nur den lieben langen
Tag im Cockpit sitzt oder sich auf dem Vorschiff sonnt, sondern
bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten an Deck auch Bewegungsfreiheit
benötigt, schlug das Prinzip der aufblasbaren Automatikwesten
bei den Wassersportlern sehr gut ein.
|
Die
dänische Regattayacht "Sydjylland".
Die Profisegler fürchten weder Wind noch Wetter, denn
sie vertrauen auf SECUMAR. |
|
Das
„Grundmodell“ BS 8 wurde weiterentwickelt, das Volumen auf zehn
Liter vergrößert, um noch größere Sicherheitsreserven zu bieten.
Das Design wurde verfeinert, das Outfit der Westen schicker gestaltet.
1970 wurden die Rettungswesten um einen Life-Belt ergänzt, an
dem Sicherheitsleinen zur Sicherung an Bord befestigt werden können
und der das Abbergen erleichtert. Mit diesen Producten im Angebot
baute SECUMAR den Vertrieb konsequent aus. Außendienstmitarbeiter
begannen systematisch Händler zu akquirieren. Seitdem trägt der
Wassersport maßgeblich dazu bei, dass die Anzahl der von SECUMAR
jährlich hergestellten Westen im sechsstelligen Bereich liegt.
|
|
Der
Aufschwung war aber nicht der einzige Meilenstein in den 70-er
Jahren. Einen weiteren Einschnitt stellte die Verlagerung des
Betriebes von Hamburg nach Wedel dar. Zwar bedeutete das Gebäude
an den Vorsetzen im Schatten der St. Michaeliskirche, des weltberühmten
Hamburger Michel, einen idealen Standort in unmittelbarer Nähe
des Hafens. Doch andererseits waren die Räume ständig von Überflutungen
bedroht, bei der schweren Sturmflut 1962 beispielsweise wurden
die Produktionsräume ruiniert. Zudem war das Gebäude durch eine
Veränderungssperre blockiert, weil Planungen bestanden, den zweiten
Elbtunnel in diesem Bereich zu bauen. So orientierte sich Jost
Bernhardt um, und über einen Geschäftspartner gelangte er 1975
an die Gebäude eines Konkurs gegangenen Pelzgeschäftes in Wedel
- eine Betriebsstätte, die allein mittlerweile ebenfalls nicht
mehr ausreicht und durch weitere Produktionsorte ergänzt wurde.
|
| Terug
zur Übersicht |
|
|
|